Fitness
Holistisch trainieren, weil jede Bewegung zählt
Wie das Zusammenspiel unterschiedlicher Bewegungsformen zum Erfolg führt. Mit den Olympiasiegerinnen Laura Nolte und Deborah Levi.
Wenn die beiden Profi-Bobfahrerinnen Laura Nolte und Deborah Levi an einem Trainingstag aufstehen, wartet nicht nur der Eiskanal auf sie. Yoga-Session am Morgen, Krafttraining am Mittag, Laufen am Abend und zwischendrin die präzise Pflege ihres Bobs. Was auf den ersten Blick wie Trainingschaos aussieht, ist tatsächlich die perfekt orchestrierte Symphonie des holistischen Trainings. Denn die beiden Olympiasiegerinnen im Bobsport haben verstanden, was viele Hobby-Athleten noch entdecken müssen: Wahre Leistungsfähigkeit entsteht durch das intelligente Zusammenspiel verschiedener Bewegungsformen [1].
Fragen- und Inhaltsverzeichnis
- Was bedeutet holistisches Training wirklich?
- Die Bausteine des ganzheitlichen Trainings
- Warum auch Hobby-Athleten holistisch trainieren sollten
- Die Wissenschaft spricht eine klare Sprache:
- Die Parallele: Dein Körper ein Rennbob?
- Dein Einstieg ins holistische Training
- Fazit zu ganzheitlichem Training
- Quellenverzeichnis
Was bedeutet holistisches Training wirklich?
Holistisches oder ganzheitliches Training geht weit über das klassische „Pumpen“ im Fitnessstudio hinaus. Es bedeutet, deinen Körper als komplexes, zusammenhängendes System zu verstehen und zu trainieren. Wissenschaftliche Studien zeigen: Eine ganzheitliche Herangehensweise mit funktionellem Training und unterschiedlichen Bewegungsformen, das mehrere Muskelgruppen gleichzeitig beansprucht, verbessert nachweislich Sprint-, Sprung- und Bewegungsleistung[2].
Du kannst dir deinen Körper wie ein Orchester vorstellen. Ein partielles (einseitiges) Training wäre, verschiedene Musiker einzeln zu perfektionieren, andere aber nicht zu beachten. Holistisches Training hingegen legt den Fokus auf das perfekte Zusammenspiel aller Musiker. Und genau hier entsteht die Magie[3].
Für mich ist Bewegung mehr als nur mein Job. Das ist ein Teil von mir. Es hilft mir, im Gleichgewicht zu bleiben, in meiner Ruhe zu bleiben und einen guten Ausgleich zu schaffen. Und im Wettkampf fühle ich mich mit meiner Bewegung auch leicht. Sie hilft mir, am Ende zu performen. (Laura Nolte)
Die Bausteine des ganzheitlichen Trainings
Krafttraining: Dein stabiles Fundament
Laura und Deborah wissen: Ohne eine solide Kraftbasis geht nichts. Aber Krafttraining im holistischen Ansatz bedeutet nicht, stundenlang isoliert Bizeps-Curls zu machen. Stattdessen setzen sie auf funktionelle Bewegungen, die mehrere Muskelgruppen gleichzeitig aktivieren. Studien belegen, dass funktionelles Krafttraining nicht nur Muskeln aufbaut, sondern auch die Bewegungsökonomie verbessert und Verletzungen vorbeugt. Besonders wichtig: Die Rumpfstabilität bildet das Zentrum aller Bewegungen, von der Bobfahrt bis zum Treppensteigen. Kettlebell-Übungen sind dafür insbesondere optimal geeignet [4].
Ausdauer: Das Herz-Kreislauf-System als Motor
Ausdauertraining ist weit mehr als monotones Laufen auf dem Laufband. Moderne Trainingskonzepte wie HIIT (High-Intensity Interval Training) zeigen beeindruckende Ergebnisse: Bereits zwei Wochen HIIT können die aerobe Kapazität um 20 % verbessern [6]. Gleichzeitig ist es zeiteffizienter als traditionelles Ausdauertraining. Laura und Deborah nutzen verschiedene Ausdauerformen, vom entspannten Trailrun bis zum intensiven Intervalltraining. Diese Vielfalt hält nicht nur den Spaß am Training aufrecht, sondern trainiert auch unterschiedliche Energiesysteme des Körpers.
Yoga und Mobility: Geschmeidigkeit trifft Stärke
Was haben Bob-Fahrerinnen mit Yoga am Hut? Mehr als du denkst! Die sanften, kontrollierten Bewegungen des Yoga verbessern nicht nur die Flexibilität, sondern auch die Körperkontrolle und mentale Stärke. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Yoga-Praktiken die Beweglichkeit der Gelenke verbessern und das Verletzungsrisiko signifikant reduzieren[5]. 15 Minuten Yoga nach dem Training können deine Regeneration beschleunigen und dich geschmeidiger machen.
Mentale Stärke
Auch die mentale Komponente spielt eine zentrale Rolle im holistischen Training. Laura und Deborah müssen unter Druck fokussiert bleiben, Bewegungen präzise ausführen und Vertrauen in den eigenen Körper haben. Mentale Stärke ist aber kein Zufallsprodukt. Studien zeigen, dass Atemtechniken, Achtsamkeit und mentales Training Stress reduzieren, die Konzentration verbessern und die Bewegungsqualität positiv beeinflussen können [7]. Im ganzheitlichen Ansatz wird der Kopf als Teil des Bewegungssystems verstanden. Bewusste Atemübungen oder ein fokussierter Cool-down helfen dir, das Training besser zu verarbeiten, Überlastung vorzubeugen und langfristig konstanter leistungsfähig zu bleiben.
Balance und Koordination: Die unterschätzten Superkräfte
Wenn Deborah sich beim Anschub perfekt mit Laura synchronisieren muss, ist das pure Koordinationsarbeit. Training auf instabilen Unterlagen und Balance-Übungen verbessern die neuromuskuläre Kontrolle und reduzieren das Sturzrisiko erheblich. Diese Fähigkeiten sind nicht nur für Profisportler relevant: Bessere Balance bedeutet mehr Sicherheit im Alltag, weniger Verletzungen und ein gestärktes Körpergefühl [3].
Warum auch Hobby-Athleten holistisch trainieren sollten
Du fragst dich vielleicht: „Muss ich das auch alles machen? Ich will doch nur fit bleiben, nicht Olympiasiegerin werden!“ Genau deshalb ist holistisches Training perfekt für dich geeignet. Es bereitet deinen Körper optimal auf die Anforderungen des Alltags vor, nicht nur auf die nächste Trainingseinheit [1]. Auch wenn das holistische Konzept im Sport erst einmal nach ganz schön viel Arbeit klingt, lässt sich das meiste davon einfach in den (Trainings-)Alltag integrieren (siehe weiter unten). Und das Wichtigste: Der Aufwand lohnt sich richtig!
Die Wissenschaft spricht eine klare Sprache:
Zu den Vorteilen von holistischem Training zählen nachweislich:
- Verletzungsprävention: Funktionelles Training reduziert das Risiko von Alltagsverletzungen durch verbesserte Körperkontrolle [5]
- Bessere Lebensqualität: Mehr Beweglichkeit, weniger Schmerzen und erhöhte Alltagstauglichkeit [1]
- Zeiteffizienz: Kombinierte Trainingsformen erzielen bessere Ergebnisse in kürzerer Zeit [3]
- Nachhaltigkeit: Vielseitiges Training bleibt länger interessant und motivierend [5]
Die Parallele: Dein Körper ein Rennbob?
Laura und Deborah verbringen Stunden in der Werkstatt, um ihren Bob zu pflegen. Jede Schraube wird geprüft, jede Kufe perfekt geschliffen. Warum? Weil sie wissen: Das beste Training nützt nichts, wenn das Material versagt. Genauso verhält es sich mit deinem Körper. Die richtige „Ausstattung“ ist ein integraler Bestandteil des holistischen Trainingsansatzes. Unsere Bauerfeind Sports Produkte können dabei helfen, deine Gelenke zu stabilisieren, die Durchblutung zu fördern und deine Leistung zu optimieren.
Dein Einstieg ins holistische Training
Du musst nicht sofort das Trainingsprogramm einer Olympiasiegerin übernehmen.
Beginne mit kleinen Schritten:
- Woche 1–2: Integriere 10 Minuten Mobility-Training nach deinen Workouts
- Woche 3–4: Ersetze eine isolierte Kraftübung durch eine funktionelle Bewegung
- Woche 5–6: Probiere eine neue Trainingsform aus (Yoga, Pilates, Functional Training)
- Ab Woche 7: Entwickle deinen individuellen Mix aus verschiedenen Bewegungsformen
Fazit zu ganzheitlichem Training
Holistisches Training ist keine Modeerscheinung, sondern die logische Erweiterung des Fitnesstrainings. Laura Nolte und Deborah Levi zeigen uns eindrucksvoll: Erfolg entsteht durch Vielseitigkeit, Ausgewogenheit und die richtige Unterstützung. Gib deinem Körper die gleiche Aufmerksamkeit, die Profisportler ihrem Equipment schenken. Fokussiere dich auf das große Ganze und nicht auf dicke Muskeln. Eine Verbesserte Leistung, weniger Verletzungen und mehr Spaß an der Bewegung sind die lohnenswerten Ergebnisse.
Über Laura und Deborah
Laura Nolte (*23. November 1998, Unna) ist eine der erfolgreichsten Bobpilotinnen Deutschlands und schrieb Sportgeschichte, als sie zusammen mit ihrer Anschieberin Deborah Levi bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking im Zweierbob Gold gewann – als jüngste Pilotin in der Geschichte dieser Disziplin. Seitdem zählt sie mit zahlreichen Weltcup-Siegen und internationalen Titeln zu den dominierenden Athletinnen im Frauen-Bob, sowohl im Zweier- als auch im Monobob.
Deborah Levi (*28. August 1997, Dillenburg) ist eine der stärksten Anschieberinnen im internationalen Bobsport. An der Seite von Laura Nolte sicherte sie sich nicht nur den Olympiasieg 2022, sondern feierte auch im Weltcup und bei kontinentalen Meisterschaften große Erfolge. Ihre explosive Kraft am Start und das perfekte Zusammenspiel mit Nolte machen das Duo seit Jahren zu einer der Top-Teams weltweit.
Über den Autor:
Martin ist Bewegungs-Enthusiast und ausgebildeter Fitnesstrainer mit einer A-Lizenz. Er integriert selbst den holistischen Ansatz in seine Trainingsroutinen. Neben Laufen und Radfahren macht er regelmäßig Calisthenics, geht klettern und zum Yoga. Abends versucht er regelmäßig Mobility-Sessions in seine Abendroutine einzubauen.
Quellenverzeichnis
1 ACSM. ACSM’s Guidelines for Exercise Testing and Prescription. 11th ed. Philadelphia: Wolters Kluwer; 2021.
2 La Scala Teixeira CV et al. Functional training: A conceptual framework. Front Physiol. 2017;8:201.
3 Haff GG, Triplett NT. Essentials of Strength Training and Conditioning. 4th ed. Champaign: Human Kinetics; 2016.
4 Kibler WB, Press J, Sciascia A. The role of core stability in athletic function. Sports Med. 2006;36(3):189–198.
5 Cramer H et al. Yoga for improving physical function and quality of life. PLoS One. 2013;8(10):e75515.
6 Gibala MJ et al. Physiological adaptations to low-volume, high-intensity interval training. J. Physiol. 2012;590(5):1077–1084.
7 Röthlin, P., Birrer, D., Horvath, S., & Grosse Holtforth, M. (2016). Psychological skills training and a mindfulness-based intervention to enhance functional athletic performance: Design of a randomized controlled trial using ambulatory assessment. BMC Psychology, 4(39).